Münster – Kaffhauptstadt

Wenn man durch das Münsterland fährt, trifft man hier und da auf Käffer. Bei Käffern handelt es sich nicht, wie man vielleicht zuerst denken mag, um eine Brutvogel Art, die im Münsterland ihre Löcher in Baumstämme haut, sondern laut Duden um langweilige Ortschaften, kleine Dörfer, farblose Nester. Kaffs oder Käffer, beides ist richtig, heißen im Münsterland zum Beispiel Beelen, Velen, Aalen, Reken, Greven, Vreden oder Borken. Die Kaffs oder Käffer zeichnen sich dadurch aus, dass sie gar nichts auszeichnet.

Das Münsterländer Kaff ist der Mittelpunkt des Durchschnitts. Da ist keine besondere Architektur, die in Büchern Erwähnung findet, kein Menschenschlag, der sich durch einen außergewöhnlichen Dialekt auszeichnet, da gibt es kein Berg, kein Tal, keinen reißenden Fluß oder dichten Wald, der größer, dichter, reißender ist als anderswo. Da ist keine weite Ferne, in die man schaut, keine große Tiefe, die einen schwindeln lässt. Im Münsterland gibt es nur Käffer und durchschnittliche Menschen, die in diesen Käffern wohnen. Kaffbewohner. Sucht man in Deutschland den Durchschnitt, das absolute Mittelmaß, das Gemeine, das Gewöhnliche das Null Acht Fünfzehn, dann findet man es in den Käffern oder Kaffs des Münsterlandes und natürlich in der Hauptstadt aller Käffer, dem Mittelpunkt des Gewöhnlichen, in dem Großkaff Münster. Meiner Heimat. Hier bin ich geboren worden, hier wohne ich, hier arbeite ich, hier werde ich alt und hier wird später stehen: Er war ein Kaffbewohner. Münster. König aller Käffer. Käfferhauptstadt. Und der Münsteraner liebt sein Kaff. Fahrradkaff Münster. Provinzkaff Münster. Man sagt, wenn man es nicht schafft, nach der Schule, aus seinem Kaff herauszukommen, dann kommt man nie weg. Das stimmt. Ich komme hier nicht mehr weg Münster. Kaffhauptstadt. Zu gemütlich, um zu gehen. Münster , du ewig Prokrastrinierende. Du Langweilige, du Lustlose, du Lahme, du Lusche. Du Kaff, du: Ich liebe dich. Sagt das irgendwas über mich aus?

Über das Jammern, Applausraketen und natürlich Poetry Slams

„Meine Damen und Herren, ihr Applaus. Rasten Sie aus! Jetzt! Applausrakete! Jetzt! Klatschen! Bitte, so klatschen Sie doch! Ich will eure Hände hören. Jetzt!“

Nur kann ich mich nicht mehr hören. 2019. Ein Jahr, zehn Tage alt, und ich kann mich nicht mehr hören. Fünfzehn Jahre Poetry Slam, und ich kann mich nicht mehr hören.

Dichterwettbewerbe, Autoren-Wettstreitereien. Autoren-Wettschreiereien. The point is not the points, the point is the poetry. Ach so. Na, dann danke poetry. Applausrakete. Jetzt!

Die Wikipedia sagt: „Ein Poetry Slam ist ein literarischer Vortragswettbewerb, bei dem selbstgeschriebene Texte innerhalb einer bestimmten Zeit einem Publikum vorgetragen werden.“

Der Moderator sagt: „Auf einem Poetry Slam muss man klatschen, denn Klatschen ist gesund. Hier klatschen Sie für die Poesie. Warum? Darum. Applausrakete. Jetzt!“

Darum heute Osnabrück. Sieben Teilnehmer. Einer aus Berlin. Einer ist ja immer aus Berlin. Er macht was über Berlin, weil Berliner immer was über Berlin machen. Sie wollen mit ihrem Text vor allem zeigen, dass sie was mit Berlin haben. Ich frage mich machmal, was der Berliner in Berlin liest. Aber wirklich nur manchmal.

Dazwischen, also zwischen dem Applaus, Texte über Liebe, Penispumpen, Trennung mit Schmerz, Trennung als Scherz. Kreuzreim, Paarreim, Tinderbilder und eine Frau, die ficken sagt. Sowas ist schon mutig. Dafür haben wir eine Applausrakete. Jetzt!

Der Sekt geht natürlich an die Frau mit dem Ficken-Text und Tinder. Das finden alle gut und man klatscht noch mal. Ich sage: „Applausrakete.“ Man klatscht. Das Hände-Klatschen als das neue Kreidetafel-Kratzen.

Noch eine gute Miene zum bösen Spiel. Applausrakete. Und nun wirklich ein letztes Mal: „Und klatschen Sie. Klatschen Sie, denn klatschen ist gesund.“ Und ich denke: „Ach, was ein Quatsch.“

Schluss mit Facebook. Geht mal wieder in den Wald oder kauft euch ne Katze

Es ist soweit: Alle finden Facebook, Twitter, Instagram und Co doof. Zum Beispiel Claudia S. aus M. Auf die Frage wie sie Facebook findet, schreibt die Hernerin: „Ich find Facebook doof. Nur Hate Speech, blöde Katzenvideos und Penispumpen.“ Die Claudia kann sich darüber richtig aufregen. „Wissen sie, was sie mit ihrer Penispumpe machen können?“, fragt Claudia S. aus H. „Die können sie sich über die Nase ziehen. Das können sie damit machen“, beantwortet sie ihre eigene Frage. Trotz ihrer Wut hat Claudia S. ihren Humor noch nicht verloren.

Und die Claudia ist nicht die Einzige, die so denkt. Viele finden momentan Facebook doof. Doch die Claudia geht sogar einen Schritt weiter. „Morgen melde ich ab. Dann ist Schluß, schrieb Claudia überraschend für viele heute Morgen auf ihre Pinnwand. Zuerst hatte Claudia Angst vor diesem Schritt, aber ihre Freunde haben sie unterstützt und ihr gezeigt, dass es der richtige Weg ist.

„Zuerst war ich unsicher, aber ich habe soviel Zustimmung erfahren. So viele liebe Worte. Das war echt toll“, schreibt die Claudia uns. Viele ihre Freunde haben ihr mit einem „Gefällt mir“ Daumen gezeigt, wie mutig sie den Schritt fanden, aber so mancher hat auch geschrieben, dass Claudia ihnen fehlen wird.

„Wenn man diesen Schritt wagt, sollte man genau überlegen, wie man die Zeit, die einem auf einmal zur Verfügung steht, sinnvoll nutzt. Viele fallen in ein tiefes analoges Loch, nachdem sie sich abgemeldet haben, sagt Social Media Versteher Klaus von Bülow. Nicht selten füllen sie das Loch mit alkoholischen Getränken oder Tabletten. Die Experten sprechen hier von Suchtverlagerung.

Auch Claudia S. hat keine Angst, dass sie die neue Freiheit nicht füllen kann. Sie hat sich vorgenommen, jeden Tag einen Spaziergang zu machen. Auch überlegt sie, sich eine Katze zu kaufen. „Vielleicht mache ich dann selber Katzenvideos.“ Sie lacht bei dem Gedanken. Und wenn es es gar nicht funktioniert, weiß sie, dass sie immer wieder zurück kann. Ihr persönlichen Daten bleiben im Netz und bei Facebook. Für immer.

Ich bin dagegen – Über Chemnitz, Arschlochkinder, Klassensprecher und Kulturhauptstädte

Letztens war ich mit der Tochter in der Innenstadt beim Maxi Sand. Der Maxi Sand ist ein betreuter Sandkasten, den die Stadtverwaltung im Sommer aufschüttet, damit die Kinder in der Innenstadt einen Spielplatz haben. Natürlich findet so ein Platz auch schnell Freunde im Bereich des Gesindels, die hier ihr Altglas, ihre Kippen oder auch mal eine Spritze im Sand entsorgen. Auch das Tierreich – namentlich Lassie, Kommissar Rex und Co – nutzt den Öffentliche Platz gerne für das ein oder andere große Geschäft. Doch eigentlich ist es ein Ort der Freunde, an dem Kinderaugen unter pädagogischer Kontrolle leuchten und lachen, während Mama und Papa ein wenig shoppen gehen.

Meine Tochter ist jetzt drei, da lass ich sie natürlich nicht alleine unter pädagogischer Kontrolle im Maxi Sand spielen, um shoppen zu gehen. So saß ich also neben dem Sandkasten und schaute den Kleinen und Kleinsten dabei zu, wie sie nett miteinander spielten, sich mit Sand und Hundekot bewarfen, dabei lachten und noch nicht an morgen dachten. „Sind sie nicht süß“, sagt eine Vater neben mir und guckte mit verklärten Blick in den Sandkasten. Ich nickte. Eine Wonne, wollte ich gerade sagen, da eroberte ein weiteres Kind den Maxi Sand. Er war ein wenig älter als meine Tochter, wohlgenährt, ja man kann von überernährt, also dick sprechen. Mit einem furchtbaren Schrei sprang er in den Sand und schaffte es mit wenigen Handgriffen, verschiedene Kinder zur Flucht zu animieren. „Mama!“ „Papa, Aua“, hörte ich es aus dem Sandkasten und verschiedene aufsichtführende Personen stürmten in den Sand, um ihre Kinder oder ihre in Obhut genommenen Kinder vor dem Unwesen des Arschlochkinds zu retten. Denn das war es, ein Arschlochkind. Noch bevor ich selber schnell genug reagieren konnte, hatte das Arschlochkind, Otis hieß es, auch noch so ein Hipster Name, meiner Tochter einen roten Schaufelradbagger auf den Kopf gehauen. Gut, es war ein Plastikschaufelradbagger, ein Spielzeug, aber in den richtigen Händen kann auch ein Spielzeug zu einer gefährlichen Waffe werden. Und in Otis Händen war der Schaufelradbagger eine sehr gefährliche Waffe. Wem gehört dieses Arschlochkind, schrie ich also, und rettete meine Tochter aus den Fängen dieser Bestie in Kinderhaut.

Wen nennen sie hier Arschlochkind?, rief der Vater neben mir und plusterte sich in seiner Jack Wolfsskin Jacke auf. Gerade noch Tränen der Rührung in den Augen, waren seine Tränen nun der Wut gewichen. Der Wut eines Vaters dessen Sohn beleidigt wurde. Mein Otis ist ein liebesvolles, gesundes, hochsensibles, hyperintelligentes Kind. Wenn ihr Kind sich nicht mit Worten wehren kann, gleich nach dem Vater rufen muss, kann mein Otis doch nichts dafür, verteidigte Otis Papa Otis. Es ist nicht mein Otis bei dem was nicht stimmt, es ist die Nachbarschaft, die Gegend, die Stadt, das Land, die Schulen und der Staat, der meinen Otis zu so einem Raufbold machte, brüllte der Papa von Sinnen. Ja, ich sah Schaum vor seinem Mund. Und da ich darauf nichts zu antworten wusste, kam es, wie es kommen musste., Wenige Sekunden später prügelte sich zwei Männer im Maxi Sand, zogen sich an den Haaren und bewarfen sich mit Schäufelchen und Eimerchen. Eine Prügelei, ja Rauferei war im Gange, die sogar dem Gesindel, das in einer Ecke des Sandkastens ungesehen Drogen konsumierte, zu viel war und sie aus dem Sandkasten vertrieb. Das Tierreich vergaß ihr Geschäft und Prinzessin Lillifee und ihre Freunde jammerten lautstark am Rand des Maxi Sands.

Heute, eine Woche später, die Wunden sind fast verheilt, lese ich in der Zeitung das Chemnitz sich als Kulturhauptstadt bewerben will und muss an Otis und seinen Papa denken.

In einem Interview sagt ein Stadtoberer, dass es nicht die Chemnitzer sind, nicht sie Sachsen, nicht die Ostdeutschen oder Deutschen insgesamt, die den rechten Zorn in sich tragen. Das Problem ist keine regionales, Man muss weiter schauen. Der Hass ist überall, sagt der Herr der Stadtverwaltung. Auch Otis Papa wusste, dass sein Arschlochkind ein Produkt der Zeit ist. Otis ist das, was die neoliberale Gesellschaft aus ihm gemacht hat.

Ich denke: Otis Papa ist in Penner und der Typ von Stadtverwaltung Chemnitz ein Idiot. Natürlich gibt es auch wo anders Idioten und Penner und vielleicht gehöre ich sogar dazu, bin einer von ihnen. Gut, aber ich will auch nicht Klassensprecher werden. Erkenne dich selbst. Ein blöder Spruch. Das stimmt. Aber wenn Otis später Klassensprecher werden möchte oder wenn morgen Chemnitz Kulturhauptstadt werden will, dann sag ich nur: Ne, erkenne ich dich selbst und ich bin dagegen.

Mit Maaßen trinken

Herr Maaßen ist gestern vorzeitig pensioniert worden. Mein AOK Gesundheitsmagazin warnte schon vor längerer Zeit, dass viele Frührentner oder frühpensionierte Schwierigkeiten haben, die neue Freizeit sinnvoll zu füllen. Sie fangen an zu trinken, sitzen den ganzen Tag vor der Glotze und tyrannisieren ihre Mitmenschen. Ich weiß, wovon ich rede. Mein Vater war auch Frührentner. Doch er konnte nie den lieben Gott einen gut Mann sein lassen. Das sagte er immer: Ich kann doch nicht den lieben Gott einen gut Mann sein lassen und dann zog er seine grünen Gummistiefel an und mähte bei den Nachbarn für ein paar Mark den Rasen oder Schnitt ihre Hecke. Nachbarschaftshilfe ist das, hat mein Vater mir erklärt, wenn ich fragte und auch wenn ich nicht fragte, hat er es mir erklärt. Er war eben auch ein bißchen stolz darauf. Meine Mutter nicht. Sie sagte, ich darf das nicht in der Schule erzählen, dass der Papa Nachbarschaftshilfe macht und ich versprach es.

Herr Maaßen kann jetzt auch Nachbarschaftshilfe machen. Als alter Geheimdienstler weiß er auch genau, was man weiter erzählen darf und was nicht. Herr Maaßen hat schon angekündigt, dass er ein wenig Nachbarschaftshilfe machen möchte. Natürlich möchte Herr Maaßen nicht den Rasen seiner Nachbarn mähen – auch wenn das eine hochanständige Arbeit ist, was man auch mal sagen muss. Herr Maaßen dachte eher an etwas politisches oder eine wirtschaftliche Geschichte. Vielleicht mal ein Straßenfest organisieren oder eine Mahnwache abhalten. Mit den neuen Freunden für eine gute Sache eintreten. Die neuen Freunde, die so zahlreich geworden sind, auch weil man hier und da ein Auge zugedrückt hat. Oder man könnte Spenden sammeln gegen die radikalen Elemente in der Sozialdemokratie. Gegen Brandstifter wie diesen hanseatischen Polit-Hooligan, der sich Finanzminister schimpft, oder gegen Aufrührer und Populisten wie diese stämmige Matrone, die erst gerade wieder Pipi Langstrumpf auf der politischen Bühne zitiert hat.

Es gibt viele Arte der Nachbarschaftshilfe. Man darf darüber aber eigentlich nicht sprechen, weil man als Frührentner und vorzeitig Pensionierten eigentlich gar nichts mehr machen sollte. Wenn ich mir etwas zu Weihnachten wünschen dürfte dann würde ich mir wünschen, dass Herr Maaßen keine Nachbarschaftshilfe machen kann. Das ihn einfach keiner will. Aber das geht nicht natürlich nicht. Der Wunsch. Wegen dem Weihnachtsmann und auch der Selbstgerechtigkeit, meine ich.

Macht macht sexy – über Trump, Sarkozy, Berlusconi und Co

Männer und Macht. So einem richtigen Mann, so einem Typen, der eine Dame auch mal die Hand auf den Po legt und ihr dabei seine geilen Fantasien ins Ohr flüstert, möchte man in Zeiten von „#Metoo“ doch nicht an der Macht wissen. Oder?
Die eine Hälfte schreit, die andere Hälfte bewundert. Ob Donald Trump, Sylvio Berlusconi, Nicolas Sarkozy, neben ihrer fragwürdigen Politik stehen sie alle ihren Mann und betonen gerne immer wieder, was sie für wilde Hengste sind. Die Frauen an ihrer Seite oft Schmuckstücke, die man gut auf einer öffentlichen Veranstaltung präsentieren kann. Macht macht sexy, ohne Frage. Wer erinnert sich zum Beispiel nicht an die Affäre Dominique Strauss-Kahn. Der Direktor des IWF wurde angeklagt, diverse Frauen vergewaltigt und an Sex Partys teilgenommen zu haben. Die Affäre kostete ihn vielleicht die Präsidentschaft, das ging den Franzosen doch ein wenig zu weit. Aber hinter vorgehaltener Hand bewunderten die Franzosen auch diesen geilen Franzmann, und nicht nur Männer bewunderten ihn. Auch seine Frau stand natürlich die ganze Zeit hinter ihm. Sogar als er offen zugeben musste, dass er an wilden Sex Orgien teilgenommen hatte, ließ sie ihn nicht fallen, hielt sie zu ihm. Erst als seine Ämter verloren hatte, die Präsidentschaft futsch war und die Presse ihn nicht mehr interessant fand, verließ sie ihn. Macht macht sexy und jetzt war sie eben futsch, die Macht. Es ist gut, dass immer wieder Debatten wie die „#MeToo“ Debatte solchen Machtmenschen zeigen, dass sie sich nicht alles erlauben können. Es ist zwiespältig, dass viele Frauen, solche Männer zum einen verurteilen, zum anderen scheinbar offen bewundern. So wird das Spiel weiterhin gespielt und das Objekt Frau von vielen Männern als Statussymbol wie der SVU angesehen.

 

 

Über Miesepeter, das Klima und die große Weltverschwörung

Münster,  10. Oktober, 13 Uhr. Im Radio sprechen sie davon, dass es der wärmste Herbst aller Zeiten wird oder wenigstens seit Beginn der Zeitmessung. Gerade hatten wir erst den wärmsten Sommer, davor den wärmsten Frühling, da schließt sich der Herbst doch gut an. Seit Monaten hat es hier nicht mehr ausgiebig geregnet. Immer mal wieder gab es einen Schauer, aber schnell waren die paar Tropfen versickert und vergessen und ein blauer Himmel vertrieb die düsteren Gedanken, dass dort was nicht stimmen könnte.

Karl B. aus M. sagt: „Du Miesepeter.“ Er meint, es ist eben auch schön, dieses Wetter. In den Straßencafé genießen die Bürger ihren goldenen Herbst bei einer Latte mit Schokostreuseln oder sogar einem Eiskaffee mit Sahnehäubchen. „Wann gab es denn schon mal sowas? Sei doch nicht immer so eine Miesepeter“, sagt Karl B. aus M., wenn ich erzähle, dass ich das Wetter nicht normal finde, mir Regen wünsche. Er findet es auch nicht normal, aber gleich vom Weltuntergang sprechen, den Diesel verbieten und die Kohle verbannen. „Junge“, sagt er. „Du hast doch studiert.“ Was wirklich ein seltsames Argument ist, dieses studieren. Jedenfalls verstehe ich das Argument nicht. Muss ich auch nicht, denn Karl B. aus M. gibt es nur in meinem Kopf und in diesem Text ist er kurzzeitig real. Aber es gibt andere, die realer sind als Karl B. aus M., und dann gibt es da noch die AFD. Sie ist sehr real und sie sehr seltsame Antworten auf meine Fragen und Ängste.

Die Aussagen des Weltklimarats, dass Klimaänderungen vorwiegend menschengemacht seien, sind wissenschaftlich nicht gesichert, schreiben sie kurz und bündig auf ihrer Seite. Sie basieren allein auf Rechenmodellen, die weder das vergangene noch das aktuelle Klima korrekt beschreiben können. (afd.de Energie und Klima

Zwei Sätzen ist der AFD meine Klimaangst wert, dabei stehen sie doch so auf Ängste. Aber bitte nicht bei Dingen, die schon immer funktioniert haben, sagen sie.

So ein AFD Wähler hat es schon gut. Der ist eben kein Miesepeter. Weiter so, Bergmann, denkt er, der AFD Wähler. Lass dir von den Grünen und der Merkel nichts sagen, liebes Vaterland, schreien sie auf der Straße. Hambacher Wald abholzen! Braunkohle für alle. Wie lassen uns unseren Diesel nicht verbieten, sagen sie.

Jeder fünfte Wähler ist ein AFD Wähler. Jeder fünfte Stimme unterstützt diese Meinung.

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Die Affen halten sich alles zu, was man sich zu halten kann. Uns was man doch mitbekommt? Das ist Lügenpresse, Weltverschwörung und Angriff von Außerirdischen. Schöne einfache Welt.

Über meine Generation

Sonntag, 7 Oktober 2018. Nachmittags treffe ich vor einer Bäckerei Frank. Er steht in einem kleinen Pulk von Menschen und hat einen Aufkleber mit seinem Namen auf dem Pullover geklebt. Er erzählt mir, dass ich es hier mit der Sarah Wagenknecht Geschichte „Aufstehen“ zu tun habe. Ein erstes Treffen in Münster. Als ich wohl zu neugierig gucke, bietet er an, mir die Facebook Seite zu schicken. Darüber tauscht man sich aus und darüber ist auch das erste Treffen zustande gekommen. Gegenüber der Bäckerei im Cafe eines alten Kinos.

Ich kaufe meinen Kuchen und überlege, ob ich mich jetzt auch noch engagieren möchte und schäme mich sogleich für den Gedanken. Sieben Staffeln Suits, eine langweilige amersikanische Rechtsanwaltsserie bekifft den ganzen Tag gucken und keine Zeit haben, online eine Petition zu unterschreiben, dass zum Beipiel der Hambacher Forst bleiben muss. So einer nennt sich links im Geiste, schimpfe ich tief in meinem Kopf. Aber ganz weit im Geiste. Ganz weit in meinem Kopf.

Die meisten alten Straßen – Recken für Menschenrecht, Umwelt und Liebe haben aufgegeben. Ihre Zwei Kinder Familien, ihr kleines Glück erlauben kein politisches Engagement, wenn es nicht wenigstens ein wenig Gold oder Anerkennung dafür gibt. Sogar die Damen und Herren Autoren und Künstler machen keinen Handschlag aus Nächstenliebe oder für Muttererde. Das eigene Krönchen muss wenigstens von allen Seiten geputzt werden. Und eigentlich sollte man nichts für lau machen, sagen sie. Dann kommen morgen alle an und wollen, dass man umsonst spielt, liest oder rumhopelt, sagen sie. Habe ich sicher auch mal gesagt.

Gedankenspiel: Stellen sie sich vor, sie machen es gerne für eine gute Sache umsonst, aber die gute Sache kann auf ihre Hilfe verzichten. Dann weinen Sie auch wieder.

Wer hat sich in meiner Generation überhaupt engagiert. Wir waren die Generation Golf, Praktikum, Internet, die neue Pop Literatur und Ich-Ag. Wie waren uns selber am Wichtigsten. Meine Generation ging nur zur Love Parade auf die Straße. Naja, irgendwie ehrlich.

Über Rentner, die von Rollatoren erschlagen werden (Die wahre Geschichte)

Es war ein heißer Tag in Fußgängerzone Bochums. Auf dem glühenden Asphalt flimmerte die Luft. Bei diesem Wetter sollte man mit Freunden das Freibad genießen oder ein kühles Getränk im Schrebergarten oder auf Bad Balkonia zu sich nehmen. In den Nachrichten rieten die Moderatoren, zu Hause zu bleiben. „Obacht! Hitzealarm!“, sagten sie. Wer Probleme mit Hitze hat, solle die Fenster verhängen, sich zu Hause in seinem Sessel ein wenig Ruhe gönnen, warten bis die schlimmste Mittagshitze vorbeigezogen ist, empfahlen die Wetterfrösche.

Eine Rentnerin hat die Meldungen nicht gehört oder nicht hören wollen. Ein wenig später war sie tot. Mord. Der Mörder, ein Asylant. Ein Ausländer.

Hintergrund: Die Rentnerin Elisabeth Schulze Erdel konnte heute nicht zu Hause warten. Sie hatte Hummeln im Po. Sie musste dringende, wichtige Einkäufe in der Stadt erledigen. Am nächsten Wochenende feierte ihr Lieblings-Enkel Wolfgang Schulze Erdel aus Bottrop seinen achtzehnten Geburtstags und Oma Elisabeth, wie sie liebevoll von allen, die sie kannten, genannt wurde, wollte ihrem Wolli in der Stadt noch ein paar Geschenke kaufen. Sonst würde Elisabeth Schulze-Erdel sicher nicht auf die Idee kommen, bei der Hitze rauszugehen. Hatte der Arzt ihr nicht geraten, gerade im Sommer es Ruhig angehen zu lassen. „Ihr Herz, liebe Frau Schulze-Erdel, ihr Herz, es ist nicht mehr das Jüngste. Frau Schulze Erdel. sie sind keine Achtzehn mehr. Auch wenn man ihnen sicher nicht ihre Jahre ansieht, sollte sie ihrem Arzt vertrauen“, scherzte noch gestern ihr Hausarzt.

Aber was machte Oma Elisabeth nicht alles für ihren Enkel, der ihr schon vor drei Jahren einen Urenkel geschenkt hatte? Welche Oma darf das heute noch erleben, Ur-Oma werden?

Auf jeden Fall war Frau Schulze Erdel gerade mit ihrem Rollator, einem Drive Medical Rollator Nitro, in der Fußgängerzone zwischen Karstadt und Kaufhof Sie überlegte, ob sie sich vor dem Kauf einer neuen Armbanduhr für ihren Enkel noch eine Bratwurst gönnen sollte, als plötzlich ein fremdländisch aussehender Mann ihren Weg kreuzte und sie anrempelte. Hä, schrie Frau Schulze-Erdel, die nicht wusste, wie ihr geschah. Doch statt sich für seinen Rempler zu entschuldigen, rempelte der fremdländisch aussehende Mann sie ein zweites Mal an, so dass sie auf den Popo plumpste. Und plötzlich passierte es: Ein Mord am helllichten Tag. Der Mann, der scheinbar drogensüchtig war, so nimmt heute die Staatsanwaltschaft an, nahm sich den Rollator, einen modernen Drive Medical Rollator Nitro, und schlug ihn Frau Schulze Erdel auf den Hinterkopf. Danach schnappte er sich den Drive Medical Rollator Nitro, der auch gebraucht noch gute Preise erzielt, und flüchtete in den Kaufhof hinein, wo er sich scheinbar verstecken wollte.

Doch die Flucht mißglückte. Im Kaufhaus wurde er glücklicherweise sofort von diversen Passanten und einem Kaufhausdetektiv gestellt. Sie sperrten den drogensüchtigen Ausländer in eine Damenumkleide und eine Verkäuferin „Oberhemden und Damenunterwäsche“ rief die Polizei.
Wäre die Polizei nicht schnell genug dagewesen, man weiß nicht, wie weit die Wut der Passanten gegangen wäre. Der drogensüchtige, lumpig aussehende Ausländer bekam den ganzen Hass der Passanten zu spüren. Du dreckiger Ausländer, brüllten sie. Ich will auch spuken, riefen sie.

Später stellte es sich heraus.: Es war natürlich ein Wirtschaftsflüchtling. Nachdem sein Antrag auf Urlaub in der Hängematte Deutschlands gescheitert war, ist er ausgerastet. Die Staatsanwalt berichtete heute unserer Zeitung, dass der dreckige Ausländer am Morgen seinen ablehnenden Asylbescheid bekommen hatte. Aus Hass auf Amt und Beamte ging er ihn die Stadt und beschloss, eine wehrlose Dame zu verletzen, die zu ihrem Unglück Oma Elisabeth hieß.

Einen Tag danach. Wir fragen: Wie lange noch? Müssen erst noch weitere Rentnerinnen von Rollatoren erschlagen werden. Was kommt als Nächstes? Werden unsere Kinder bald von afrikanische Drogendealern unterrichtet? Ist der Afrikaner dabei, unsere deutsche Kultur zu übernehmen.

Lesen sie nächste Woche: Hunderkrieg in Berlin: Rumänischer Mischling beklaut deutschen Schäferhund. Mütter protestieren: Asylbewerber wirbt für Kinderschokolade.

SCHWARZ ROT GOLD

Der Adi hat seine Flagge und den ganzen Krempel jetzt wieder reingeholt. „Wo die Deutschen wieder einmal so im Osten versagt haben, muss ich nicht auch noch Flagge zeigen“, erklärt Adi gerne, wenn jemand fragt, und irgendeiner fragt ja immer. Dabei hatte sich Adi so Mühe mit dem Haus- und Hofschmuck gegeben. Sein Auto hatte zwei kleine Fähnchen im Fenster, die Seitenspiegel waren mit Deutschlandüberzieher versehen, in seinem Garten hisste er an einem 10 Meter Fahnenmast Schwarz Rot Gold und in jedem Fenster hing wenigstens ein kleiner Deutschlandwimpel. Der Adi war der zwölfte Mann in Russland, also eigentlich hinterm Fernseher, aber dort schrie er bis nach Russland.

Aber ach, hat alles nichts genützt. Der Deutsche hat im Osten wieder versagt, betont Adi, wenn man ihn fragt und irgendeiner fragt ja immer. Der Deutsche kann den Osten einfach nicht. Adi weiß das. Adi hat Bücher gelesen, wo das drinnen steht. Der deutsche Plan im Osten neue Gebiete für das Volk zu annektieren, ist im 20. Jahrhundert zweimal schön daneben gegangen, schreiben deutsche Wissenschaftler in deutschen Büchern, die über deutsche Verlage vertrieben werden.

Das erzählt Adi gerne jeden, der danach fragt und irgendjemand fragt ja eigentlich immer.

Nein, jetzt wird nicht mehr Flagge gezeigt, auch wenn Adi stolz auf seine Flagge ist. Seit 2006 darf der Deutsche nämlich wieder Flagge zeigen, weil er so ein klasse Gastgeber war.

„Du, der Deutsche, der hat sich verändert. Die Kartoffel ist richtig nett geworden.“ Solche Sätze haben die Ausländer im Sommer 2006 gesagt, als die ganzen Ölaugen, Neger und Itaker Adi und die anderen Deutschen besucht haben. Das war ein Jahr. Adi kriegt immer Tränen in die Augen, wenn er daran denkt, wie schön das war. Weltmeister wurde man nicht, aber man gezeigt, dass es den guten Deutschen gibt. Und auch der Adi ist in Guter. Ein guter Deutscher. Auch der Adi isst gerne mal einen Döner oder zwei. Und Pizza. Die Pizza ist für den Adi eigentlich schon so normal wie eine anständige Currywurst. Da fängt nämlich Gastfreundschaft an. Auch mal das Fremde zulassen. Ja, und der Adi weiß, die Internationale Küche zu schätzen. Mach scharf, sagt er gerne, zu seinem Lieblings-Dönermann und der Dönnermann kann scharf, das glaube mal. Das betont der Adi auch gerne, das der Dönermann scharf kann, wenn man ihn fragt, und irgendeiner fragt ja immer.

1936 bei den Olympischen Spielen hat der Deutsche auch gezeigt, dass er ein guter Gastgeber war. Damals durfte auch der Neger aus Amerika mitspielen, da hat niemand was gesagt. Heute spielt der Neger sogar bei den Deutschen mit, da sagt natürlich der ein oder andere was. So als Nachbar möchte man ihn ja nicht haben, den Neger, sagt der ein oder andere leise. Weil das darf man wohl noch sagen, sagt man, wenn man das eigentlich nicht sagen darf. Neger, Neger, denkt Adi und lacht. „Lieber Neger, seien sie uns willkommen, aber nicht als Nachbar“, sagt ein Kollege von Adi immer. Der Spinnemann. Wie der Gauland. Auch so ein Spinnemann. Da muss sogar Adi lachen, wenn der Kollege so Späßchen macht. Aber heute ist Adi nicht nach Späßchen. Ne, Adi ist traurig. Jetzt auch noch die Schande von Russland. Um wer ist schuld? Viele. Der Osten. Der Neger. Die beiden Türken. Die Merkel. Und die Grünen sowieso. Die Windbeutel.

Naja, Adi hängt die Flagge ab. Und Montag,, wenn der Seehofer die Merkel richtig in den Popo … dann steht der Adi mit an der Grenze, Flüchtlinge kloppen.